Nutri-Score erklärt: Was A bis E wirklich bedeuten
Der Nutri-Score bewertet Lebensmittel von A bis E nach Nährwerten pro 100 g. Wie er berechnet wird, wofür er im Supermarkt taugt und wo seine Grenzen liegen.

Der Nutri-Score ist eine fünfstufige Farbskala von einem dunkelgrünen A bis zu einem roten E auf der Vorderseite von Lebensmitteln. Er fasst die Nährwerte pro 100 g oder 100 ml zu einer Gesamtnote zusammen: Zucker, gesättigte Fettsäuren, Salz und Energie verschlechtern sie, Ballaststoffe, Eiweiß sowie Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte verbessern sie. Am meisten nützt er dir beim Vergleich ähnlicher Produkte im selben Regal.
Woher der Nutri-Score kommt
Entwickelt wurde das System von Forschenden in Frankreich, wo es seit 2017 offiziell verwendet wird. In Deutschland ist der Nutri-Score seit November 2020 rechtlich abgesichert und kann von Herstellern freiwillig auf die Verpackung gedruckt werden. Inzwischen findest du ihn auf vielen Tausend Produkten, von Frühstücksflocken über Tiefkühlpizza bis zu Joghurt. Eine Pflicht gibt es nicht, weil das EU-Recht derzeit keine verbindliche Kennzeichnung dieser Art vorsieht.
Wie die Note entsteht
Hinter der Buchstabenskala steckt ein Punktesystem. Vereinfacht läuft die Berechnung so ab:
- Negativpunkte gibt es für Energie, Zucker, gesättigte Fettsäuren und Salz – je mehr davon pro 100 g, desto mehr Punkte.
- Positivpunkte gibt es für Ballaststoffe, Eiweiß und den Anteil an Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten.
- Die Positivpunkte werden von den Negativpunkten abgezogen.
- Das Ergebnis wird einer der fünf Stufen von A bis E zugeordnet.
Für einige Gruppen gelten eigene Regeln, vor allem für Getränke, Fette und Öle sowie Käse. Das Berechnungsmodell wurde in den vergangenen Jahren von einem wissenschaftlichen Gremium überarbeitet: Zucker und Salz werden nun strenger bewertet, Vollkornprodukte und bestimmte Öle wie Raps- oder Olivenöl kommen besser weg, gesüßte Getränke schlechter. Deshalb kann sich die Note eines Produkts geändert haben, ohne dass sich das Rezept geändert hat.
Was die Buchstaben ausdrücken
| Stufe | Farbe | Bedeutung | Häufige Beispiele |
|---|---|---|---|
| A | dunkelgrün | sehr günstige Nährwertbilanz | Haferflocken, Naturjoghurt, Tiefkühlgemüse ohne Soße |
| B | hellgrün | günstige Bilanz | viele Vollkornbrote, Rapsöl, manche Müslis ohne Zuckerzusatz |
| C | gelb | mittlere Bilanz | Käse mit weniger Fett, manche Fertiggerichte |
| D | orange | eher ungünstige Bilanz | viele Hartkäse, Wurstwaren, süße Frühstücksflocken |
| E | rot | ungünstige Bilanz | Süßigkeiten, Chips, gesüßte Limonaden, Butter |
Die Beispiele zeigen typische Tendenzen; das konkrete Produkt kann je nach Rezeptur eine Stufe höher oder tiefer liegen.
Wofür der Nutri-Score taugt
Seine Stärke ist der schnelle Vergleich innerhalb einer Produktgruppe. Stehst du vor zwanzig Müslisorten, zeigt dir der Buchstabe in Sekunden, welche weniger Zucker und mehr Ballaststoffe enthalten. Dasselbe gilt für Tiefkühlpizza, Brotaufstriche, Joghurts oder Fertigsuppen. Du musst dafür nicht jede Nährwerttabelle einzeln studieren.
Fair ist auch: Alle Produkte werden nach denselben Regeln bewertet, und die Hersteller dürfen den Score nicht selbst „schönrechnen“.
Wo seine Grenzen liegen
Der Vergleich über Regalgrenzen hinweg hinkt
Eine Tiefkühlpizza mit B ist nicht automatisch „gesünder“ als ein Stück Käse mit D. Der Score vergleicht Pizza mit Pizza und Käse mit Käse. Wer Kategorien mischt, zieht falsche Schlüsse.
Die Portion zählt nicht
Bewertet wird immer pro 100 g. Ein Olivenöl wird anders eingestuft als Limonade, obwohl du vom einen einen Esslöffel nimmst und vom anderen vielleicht einen halben Liter trinkst.
Vieles bleibt außen vor
Zusatzstoffe, Verarbeitungsgrad, Vitamine, Mineralstoffe, Pestizidrückstände oder Bio-Herkunft fließen nicht ein. Ein stark verarbeitetes Produkt kann gut abschneiden, wenn die Nährwerte stimmen. Hier lohnt der zusätzliche Blick in die Zutatenliste, wie im Beitrag Nährwerttabelle richtig lesen beschrieben.
Nicht jedes Produkt trägt ihn
Weil die Kennzeichnung freiwillig ist, fehlt sie gerade bei manchen Produkten, die schlecht abschneiden würden. Ein fehlender Score sagt also nichts aus, weder im Guten noch im Schlechten.
Ein Beispiel aus dem Frühstücksregal
Angenommen, du vergleichst zwei Knuspermüslis mit ähnlicher Aufmachung. Das eine enthält pro 100 g etwa 24 g Zucker und 5 g Ballaststoffe, das andere 12 g Zucker und 9 g Ballaststoffe, weil mehr Vollkornflocken und weniger Sirup verwendet werden. Das zweite schneidet beim Nutri-Score in der Regel deutlich besser ab, oft um eine oder zwei Stufen. Ein schlichtes Haferflockenmüsli ohne Zuckerzusatz liegt meist noch weiter vorn. Wichtig: Beide Knuspermüslis können ähnlich viele Kalorien haben, denn das Rösten mit Fett treibt die Energie bei beiden in die Höhe. Wer auf die Kalorien achtet, schaut deshalb zusätzlich auf die kcal pro Portion.
So nutzt du ihn im Supermarkt
- Vergleiche innerhalb derselben Produktart und für denselben Zweck, etwa zwei Sorten Frühstücksflocken.
- Nutze ihn als Vorauswahl, nicht als Urteil über deine gesamte Ernährung.
- Denk an die Menge: Ein D-Käse auf dem Brot ist etwas anderes als eine D-Süßigkeit als Tüte vor dem Fernseher.
- Kombiniere den Score mit einem kurzen Blick auf Zutaten und Kalorien pro Portion.
Die DGE betont, dass eine ausgewogene Ernährung vor allem aus wenig verarbeiteten Lebensmitteln besteht: reichlich Gemüse, Obst, Vollkorn und Hülsenfrüchte, dazu Milchprodukte, maßvoll Fisch, Fleisch und Fett. Viele dieser Basics tragen ohnehin keinen Nutri-Score, weil sie unverpackt verkauft werden.
Fazit
Der Nutri-Score ist ein praktischer Schnellvergleich für verpackte Lebensmittel derselben Kategorie. Er ersetzt weder die Zutatenliste noch den gesunden Menschenverstand bei Portionsgrößen. Nutze A bis E, um im Regal die bessere Wahl zu treffen, und lass dich nicht verleiten, Produkte aus völlig unterschiedlichen Gruppen gegeneinander auszuspielen.
Häufige Fragen
Ist der Nutri-Score in Deutschland Pflicht?
Nein, Hersteller können ihn freiwillig verwenden. Wer ihn nutzt, muss allerdings die offiziellen Berechnungsregeln einhalten.
Kann ein Produkt mit E trotzdem in eine gesunde Ernährung passen?
Ja. Butter oder kräftiger Hartkäse schneiden schlecht ab, weil sie viel gesättigtes Fett oder Salz enthalten. In kleinen Mengen haben sie trotzdem Platz in einer ausgewogenen Kost.
Warum hat Mineralwasser ein A und Saft nicht?
Bei Getränken ist der Maßstab besonders streng. Wasser ist die Referenz, und schon der natürliche Zucker in Fruchtsaft führt zu einer schlechteren Einstufung.
Quellen
Tobias schreibt über Nährwerte, Etiketten und die Kalorien in Brötchen, Imbiss und Feierabendbier.